Faul sein tut gut

Sonntagmorgenhitze, der flaue Wind auf der Terasse und die träge dahinfliessende, dunkelgrün schimmerndene Töss begrüssen mich heute Morgen. Vor mir stehen noch zwei leere, nicht abgeräumte Weingläser auf dem Hocker, mit Resttropfen vom feinen Roten der vergangenen Nacht. Sie erinnern an die angeregeten Gespräche mit meiner Liebsten, die sich noch immer im Bett wälzt. Ich spanne vorsichtig den neuen IKEA-Sonnenschirm auf und schaue über das Geländer auf den neuen kleinen Rasen, der nicht so recht gedeihen möchte, wie wir es uns wünschen. Ich leg mich in den Liegestuhl, halte Rückschau und schaue den quakenden Enten zu, denen es sehr gut zu gehen scheint. Sie quaken und paddeln, fliegen ab und zu hoch und landen klatschend. Sie haben keinen Plan und keinen Anspruch, ein Lebensziel oder ein Projekt zu verfolgen wie ich. Der Gedanke, dass ich noch mehrere Tage Ferien vor mir habe, macht mich ein wenig nervös. Ich denke an meine Weiterbildung in Projektmanagment. Ich könnte doch endlich meine vielen Ideen zu Papier bringen und die "Milestones" festlegen. Aber immer kommt mir wieder etwas dazwischen, dass mich ablenkt, seien es meine Gedanken, meine betagte Mutter, die Katze oder meine Liebste, die alle Aufmerksamkeit wünschen und mir ihre Zuneigung zeigen möchten. Ist doch schön, oder...? Es kommt sicher noch die richtige Zeit und die Schaffensenergie, wenn das Wetter nicht so verführerisch griechisch ist. Dann, wenn das Wetter kühler ist, dann packe ich es an, dann...

"Carpe diem" oder "Faul sein tut gut".

 

Beat Stirnimann

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ann Botros (Mittwoch, 12 August 2015 14:13)

    Dear Beat,
    Your description is so visual that I have a clear, multi-sensory impression of the whole lovely scenario in my head! I hope that the weather cools off a bit soon...but not too much. Enjoy. Faul sein tut gut!
    Lieber Grüße an euch beide ❤️